23.07.2010, 11:39 Uhr | Andreas Lerg
Der Amiga 1000 und der "Bouncing Ball" starteten die Geschichte des einst fortschrittlichsten PC aller Zeiten. (Fotomontage: t-online.de)
Am 23. Juli 1985 präsentierte Commodore in New York einen neuen Computer, der den Erfolg des legendären Commodore C64 fortsetzen sollte und sogar Hollywood eroberte: Den Amiga 1000. Dieser Computer war den damaligen PCs haushoch überlegen, bot er doch beeindruckende Farbgrafik und Stereosound sowie ein grafisches Betriebssystem das echtes Multitasking beherrschte und per Maus deutlich komfortabler zu bedienen war. Der Amiga genoss den Ruf des fortschrittlichsten Computers der Welt, denn er war nicht nur den PCs sondern auch den Computern von Atari und Apple deutlich überlegen. Da der Amiga auch Videosignale verarbeiten konnte, kam er sogar für die Spezialeffekte des Kinoerfolgs Jurassic Park zum Einsatz. Die wichtigsten Modelle hier in der Foto-Show.
Jay Miner, vormals Entwickler bei Atari, wollte den optimalen Computer für jedermann bauen. Auf einem provisorisch zusammen gebauten Prototyp des Computers, der später als Amiga Furore machte, präsentierte er im Januar 1984 im Rahmen der Consumer Electronics Show in Las Vegas den "Bouncing Ball". Das war ein rotweiß karierter Ball, der auf einem Gitternetz umher hüpfte und sich dabei drehte. Damals eine Sensation, denn zu dieser Grafikleistung waren PCs in der Zeit nicht fähig. Nur sündhaft teure Großrechner konnten solche Animationen bis dahin berechnen. Der Amiga bot 1985 bereits eine mit der Maus bedienbare grafische Benutzerfläche, die Microsoft mit Windows 3.0 erst 1990 wirklich marktreif hatte.
Am 23. Juli 1985 feierte der Amiga 1000 dann in New York Premiere. In einer Zeit, als PCs nur Pieptöne produzieren konnten und deren Nutzer diskutierten, ob ein Computermonitor mit grüner oder bernsteinfarbener Darstellung besser ist, brachte der Amiga 1000 Farbgrafik und Stereosound auf den Schreibtisch. Durch spezielle Grafik- und Sound-Chips bot der Amiga die für damalige Verhältnisse sensationelle Multimedialeistung, weshalb er sehr schnell für Computerspiele populär wurde. Dem Amiga 1000 folgten 1987 der Amiga 500, der vor allem für heimische Nutzer zugeschnitten war. Gleichzeitig kam der Amiga 2000 auf den Markt, der professionelle Nutzer ansprechen sollte. Beide waren auch erschwinglicher als der Amiga 1000, der bei seiner Einführung über 3000 Mark kostete.
Neben Spielern entdeckte auch Hollywood die Videofähigkeiten des Amiga und nutzten den Computer für zahlreiche Spezialeffekte für Filme wie unter anderem Jurassic Park. Die Weltraumszenen der SciFi-Kultserie Babylon 5 wurden anfangs ebenfalls auf Amiga-Rechnern generiert. Auch in Musikstudios war der Computer zu finden, denn Stereoklang und die Möglichkeit, Audiodateien zu bearbeiten, brachten Musiker wie Herbie Hancock oder Billy Idol auf den Geschmack. Die benutzten den Amiga in der Musikproduktion.
Doch gerade das populärste Modell, der Amiga 500 mit seinem Pultgehäuse mit integrierter Tastatur, kam vor allem zum Spiele zocken zum Einsatz. Das trug dem Amiga schließlich den Ruf des reinen Spielcomputers ein. Damit gelang es Commodore nicht, den Amiga erfolgreich in Unternehmen zu etablieren. Auch die Grafik-, Video- und Musikindustrie kaufte bald vor allem Computer von Apple und Atari, sodass der Amiga auch auf diesem Gebiet an Bedeutung verlor. Commodore versagte, den innovativen Computer erfolgreich zu vermarkten und meldete im April 1994 Insolvenz an. Das bedeutete das Ende des Amiga als eigenständige Computerplattform.
Der Amiga als Computer ging mit Commodore unter. Doch das Betriebssystem existierte weiter und wird auch heute noch weiter entwickelt. Die Rechte liegen derzeit bei einer Firma namens Amiga Inc., die zwischen 2002 und 2005 vergeblich versuchte, mit dem Amiga One einen offiziellen Nachfolger zu etablieren. Angeblich will das Unternehmen aber wieder einen Amiga auf den Markt bringen, doch Genaues ist nicht bekannt. Das Betriebssystem Amiga OS ist seit 2008 in einer Version 4.1 von der belgischen Firma Hyperion Entertainment erhältlich und erfuhr im April diesen Jahres ein größeres Update. Amiga OS 4.1 läuft allerdings nur auf Computern mit PowerPC-Prozessor und wird in Deutschland von Vesalia für 125 Euro vertrieben. Für PCs gibt es Emulatoren, die Amiga OS unter Windows simulieren.
Andreas Lerg
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