30.11.2011, 15:42 Uhr | Christian Fenselau
Flachbildfernseher im Elektromarkt: Viele Geräte verbrauchen immer noch zu viel Strom. (Quelle: dpa)
Der Kauf eines Flachbildfernsehers kann teurer werden als man denkt. Denn auf dem Preisschild steht nur die halbe Wahrheit. Erst mit den Stromkosten zusammen zeigt sich, wie teuer das TV-Vergnügen am Ende tatsächlich ist. Eine Aufstellung des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) zeigt: Viele Fernseher brauchen noch immer zu viel Energie.
Im Haushalt belasten die Energiefresser-Fernseher die Stromrechnung ähnlich wie traditionelle große Energieverbraucher, zum Beispiel Kühlschrank, Waschmaschine oder E-Herd. Das Problem: Die Verbrauchswerte bei Haushaltsgeräten sind in Klassen eingeteilt und gut miteinander vergleichbar, die von Fernseher waren das bisher nicht.
Doch das hat sich geändert, denn seit dem 1. Dezember 2011 müssen auch Fernseher ein verbindliches Energielabel führen und damit die Stromkosten ihrer Plasma- und LCD-Fernseher kenntlich machen. Dabei zählt allerdings nicht der bloße Energieverbrauch des Fernsehers, sondern die Energieeffizienz. So dürfen größere Fernseher mehr Strom verbrauchen als kleine, ebenso gelten für Fernseher mit mehr integrierten Receivern andere Grenzwerte als für solche mit schwächerer Ausstattung. Denn ein zusätzlich angeschlossener Empfänger verbraucht ebenfalls Strom.
Allerdings ist dieses neue Label bereits in die Kritik geraten, denn die beste Energieklasse "A" sei leicht erreichbar, kritisierte der Bund für Naturschutz Deutschland (BUND). Sehr viele Fernseher erfüllen bereits die Anforderungen für die beste Einstufung. Bereits jetzt erfüllen einige Modelle die Anforderungen für "A+". Es ist daher damit zu rechnen, dass der technische Fortschritt die Einführung neuer Klassen wie "A++" und "A+++" erforderlich macht.
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Der BUND führt eine Verbrauchsübersicht für Fernseher, die eine wertvolle Hilfe sein kann. Die Werte basieren auf Herstellerangaben, auf Messergebnissen von Produkttests und eigener Recherche des BUND.
Der Verband errechnet den Jahresverbrauch anhand einer vorausgesetzten täglichen Nutzung und setzt eine Lebensdauer von zehn Jahren voraus. Viele TV-Geräte halten sogar deutlich länger, was die Bedeutung des Stromverbrauchs im Verhältnis zu den Anschaffungskosten weiter erhöht. Ebenfalls wichtig ist der Verbrauch im Stand-by, den der BUND in die Rechnung einbezieht. Auch ein Ausschaltknopf, der das Gerät vollständig vom Stromnetz trennt, fließt in die Berechnung ein.
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Durch die Vielzahl der Modelle ist es unmöglich, jedes Gerät einem umfangreichen Test zu unterziehen. Dort, wo kein unter Realbedingungen nachgemessener Verbrauchswert existiert, muss sich der BUND auf Herstellerangaben verlassen. Das erschwert einen Vergleich – Herstellerangaben sind naturgemäß optimistischer. Ist also der Stromverbrauch vom Hersteller schon hoch angegeben, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es auch ein Stromfresser ist. Bei besonders niedrigen Angaben wird die Einschätzung schwierig. Die TV-Hersteller geben häufig nicht an, wie sie auf den angegebenen Wert kommen. Manche nennen nur einen Wert, andere gleich mehrere, unter verschiedenen Bedingungen. Auch darunter leidet die Vergleichbarkeit.
Negativ fällt in der BUND-Liste zum Beispiel der Panasonic TX-P46VT20E auf. Der 42-Zoll-Plasma-Fernseher ist in der Anschaffung mit 1350 Euro nicht gerade günstig. Doch die Stromkosten summieren sich in zehn Jahren auf den noch höheren Betrag von über 1400 Euro. Noch mehr Saft zieht der LG 50PX950 aus der Steckdose – 1533 Euro in zehn Jahren zusätzliche Einnahmen für den Stromversorger seines Besitzers errechnete der BUND. Dabei gehört er mit der Bilddiagonalen von 50 Zoll nicht einmal zu den größten Fernsehern, einige der Geräte mit 52- oder gar 60-Zoll-Schirm verbrauchen nur einen Bruchteil des LG.
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Ein Kriterium, das über den Stromverbrauch entscheidet, ist die Größe – bei identischer Technik zieht ein größeres Bild automatisch mehr Strom. Dass mit steigender Größe der Stromverbrauch quer durch alle Modelle automatisch ansteigt, stimmt hingegen nicht. Wichtiger sind häufig ganz andere Kriterien, etwa ob die Technik auf dem neuesten Stand ist. Viele modernen Fernseher haben Sensoren und schalten das Bild dunkel, wenn niemand davor sitzt, oder richten ihre Helligkeit nach der Umgebungshelligkeit aus. Auch im Stand-by-Verbrauch gibt es Unterschiede. Ein Netzschalter beeinflusst ebenfalls die Energiebilanz – vorausgesetzt, der Besitzer macht auch von ihm Gebrauch.
Moderne LCD-Fernseher werden zunehmend mit LED-Hintergrundbeleuchtung ausgestattet. Das Ergebnis: LED-Fernseher führen fast alle Größen-Kategorien der BUND-Liste an, erst auf den weiteren Plätzen finden sich LCD-Geräte mit herkömmlichen CCFL-Leuchtstoffröhren.
Wenn der Stromverbrauch beim Kauf eine Rolle spielen soll, lohnt es sich, auf die technischen Details zu achten. Denn wenn die schmale Ausstattung des Wunschfernsehers den Kauf von Zusatzgeräten notwendig macht, ist es sinnvoll, die Kaufabsicht noch einmal zu überdenken. Ein zusätzlicher Satellitenreceiver verschlingt zusätzliche Stromkosten, eine wegen des mageren Klangs dazugekaufte Soundbar zieht ebenfalls Saft aus der Steckdose. So wird aus dem erhofften Schnäppchen ein teurer Spaß.
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Bildschirmdiagonale in Zoll | entspricht Zentimeter | Bildschirmdiagonale in Zoll | entspricht Zentimeter |
19 | 48,3 | 22 | 55,9 |
24 | 61,0 | 27 | 68,6 |
32 | 81,3 | 37 | 94,0 |
40 | 101,6 | 42 | 106,7 |
46 | 116,8 | 50 | 127,3 |
52 | 132,1 | 55 | 139,7 |
58 | 147,3 | 60 | 152,4 |
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