Christian Fenselau/bd
Systemkameras können mit wechselnden Objektiven ausgestattet werden (Bild: Olympus) (Quelle: Hersteller)
Systemkameras sind der neue Trend der digitalen Fotografie. Sie sollen die Vorteile von Spiegelreflexkameras mit denen der Kompaktkameras verbinden – tolle Bildqualität bei handlichen Ausmaßen, und das zu zivilen Preisen. Mittlerweile gibt es eine größere Anzahl an Systemkameramodellen auf dem Markt. Wir geben einen Überblick und werfen einen Blick auf einige Tests, die zeigen, ob die Systemkameras halten können, was sie versprechen.
Für Systemkameras gibt es im Gegensatz zu Spiegelreflex- oder Kompaktkameras keine direkten analogen Vorbilder. Hinter der Erfindung stand die Idee, durch Weglassen des optischen Suchers und des dazugehörigen Klappspiegels der Spiegelreflexkameras (DSLR) Platz und Gewicht einzusparen. Die Vorteile, also Wechselobjektive und eine vergleichsweise gute Bildqualität durch große Bildsensoren, sollten beibehalten werden. Der optische Sucher lässt sich digital ersetzen – durch den LCD-Monitor auf der Gehäuserückseite und bei einigen Kameras zusätzlich durch einen Digital-Sucher. Manche Systemkameras bieten ein schwenkbares Display.
Systemkameras erreichen tatsächlich deutlich handlichere Ausmaße als die großen Verwandten mit Klappspiegel. Selbst die große Panasonic Lumix G2K mit Schwenkdisplay wiegt mit 371 Gramm etwa 100 Gramm weniger als die Einsteiger-SLR Canon EOS 450D. Die Panasonic Lumix GF2 ist nochmals 100 Gramm leichter, sie passt je nach montiertem Objektiv sogar in die Jackentasche. Zugleich fallen die Bildsensoren, deren Fläche entscheidend für das Rauschverhalten und damit die Bildqualität insbesondere bei schwierigen Lichtverhältnissen ist, genauso groß aus wie bei Einsteiger- oder gar Mittelklasse-DSLRs. Während Kompaktkameras aufgrund ihrer kleinen Bildsensoren meist schon bei 400 ISO sichtbar verrauschte Bilder liefern, glänzen DSLRs wie Systemkameras mit deutlich höheren Reserven.
Systemkameras haben sich etabliert: Die neue Zwischenklasse vereint die Vorteile von Spiegelreflex- und Kompaktkameras. zum Video
Es gibt aber auch Dinge, die gegen eine Systemkamera sprechen. Viele Fotografen vermissen den optischen Sucher und bemängeln die geringe Auswahl an passenden Objektiven. Gegenüber der erschlagenden Vielfalt an DSLR-Objektiven bleibt die Zubehörliste der spiegellosen Modelle übersichtlich. Wer hier trotzdem passendes findet und ohnehin lieber den LCD-Sucher nutzt, ist mit einer Systemkamera meist gut bedient. (So bearbeiten Sie Ihre Fotos im Internet ganz einfach)
Das Magazin colorfoto stellt fest: "So manche kompakte spiegellose Systemkamera bietet mittlerweile ebenso herausragende Leistungen wie gute SLRs." Dem elektronischen Sucher der Systemkameras gehöre die Zukunft, da dessen Kontrastautofokus wesentlich genauer, wenn auch derzeit noch langsamer arbeitete. Besonders angetan waren die Tester von der Panasonic GH2, die allerdings ohne Objektiv rund 900 Euro kostet. Die Stiftung Warentest hat im Januar 2011 ebenfalls Systemkameras getestet und sie auch mit Digitalkameras anderer Klassen verglichen. Dazu zählen klassische Spiegelreflexkameras genauso wie Kompakte. Zwei Lumix-Systemkameras von Panasonic sind als eindeutige Sieger durchs Ziel gegangen. Ihre Bilder sind nicht nur besser als die der direkten Konkurrenz, sondern auch die der getesteten DSLR-Modelle, zu denen drei Sony-Alphas und eine klassische DSLR von Sigma gehören. Auch die Kompakten sind akzeptabel durch den Test gekommen, an die Qualität der größeren Kameras mit Wechselobjektiven kommen sie laut Warentest aber nicht heran. Die Ausnahme war die Sigma-DSLR, die die Tester herbe enttäuscht hat. Das Testergebnis dürfte sich allerdings kaum verallgemeinern lassen.
Auch das Technikmagazin Chip hat mehrere Systemkameras einem ausführlichen Test unterzogen. Hier landet die etwa 500 Euro teure Samsung NX10 (18-55-mm-Objektiv) ganz vorne, direkt dahinter platzieren sich die beiden Lumix-Modelle, die auch die Stiftung Warentest lobte. Die NX10 war bei der Stiftung nicht im Testfeld vertreten. Die besten Bilder macht laut Chip allerdings die Sony Alpha NEX-5. Da sie aber bei der Geschwindigkeit patzte und auch schlechter ausgestattet ist, landet sie nur im Mittelfeld. Trotzdem kann sich der Kauf lohnen, denn der Hersteller lockt mit einem Gesamtsystem, bei dem nicht nur die Objektive gewechselt können, sondern auch die Gehäuse. Denn die Objektive lassen sich auch mit dem passenden Camcorder nutzen.
Samsung NX100 Die kleinsten Systemkameras sind derzeit die Samsung NX100 und die brandneue Lumix DMC-GF2 von Panasonic. Die inklusive 20-50-mm-Objektiv nur rund 370 Euro teure Samsung NX100 konnte die Tester des Fachportals digitalkamera.de nicht vollends überzeugen. Sie sei eine "mittelmäßige Kamera für Einsteiger- und Hobbyfotografen", biete aber immerhin für ihren Preis angemessene Ergebnisse. colorfoto urteilte milder: Die Kamera liefere "eine erheblich bessere Bildqualität als übliche Kompaktkameras". Die Lumix ist erst seit kurzem im Handel.
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Systemkameras sind durchaus eine interessante Alternative für alle, die an die Grenzen einfacher Kompaktkameras gestoßen sind, aber möglichst wenig von der Handlichkeit der Kompakten aufgeben wollen. In Punkto Bildqualität können Systemkameras mit den Spiegelreflexkameras ihrer Preisklasse mithalten. Teurere DSLR-Modelle erreichen allerdings nach wie vor die beste Bildqualität. Anspruchsvolle Fotografen sind also bislang mit einer vollwertigen DSLR am besten bedient, müssen aber auch am meisten Ausrüstung schleppen.
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